Nachwahlbetrachtungen am 30.04. a.U. 167
Der Aufsteiger, Rt. Firlefranz
Als Mannequin der Richter-Roben
ist er jetzt wieder ganz, ganz oben.
Wie einst am Stockerl stand der Karli Schranz,
sitzt frisch am Thron der Firle-Franz.
Sein täglich‘ Brot war das Gesetz,
heut‘ geht’s ihm eher um die Hetz.
Sein Vis a vis war ’n stets Verbrecher,
viel lieber hebt mit uns er seinen Becher.
Was im Profanen war verwehrt dem Franz,
mit dieser Wahl ist es gelungen,
ab heute wieder Letztinstanz!
Dem Uhu sei’s gesungen.
Ein knappes Jahr lädt er zum Tanz,
der erbgetrieb’ne Loidl Franz.
Es haftet an dem fulminanten Siege
der Nimbus einer Eintagsfliege.
Für ’n Einsertisch ist’s wirklich schad,
verliert er doch ein Unikat.
Jetzt hab’n sie den Salat
ganz ohne Sohn des Bi-Quadrat.
Da unten klafft jetzt eine Lücke,
da oben wartet schon des Uhus Tücke.
Es wimmelt da vor lauter Schrantzen,
von Schmeichlern und von Wanzen.
D’rum höret meinen ernsten Rat,
verlasst nie uns’res Spiegels Pfad.
Lasst walten eines Richters Milde,
dann tragen wir Euch auf dem Schilde.
Der Heruntergekommene, Rt. Virunus
Herabgestiegen nolens volens
ist uno actu Heimo Dolenz.
Er ist und war am Thron halt einer
der besten der Lateiner.
Virunus focht mit feiner Klinge,stets adrett
im Kampfgetümmel mit Florett.
Rhethorisch wird sich manches ändern,
der Loidl hats viel eher mit Bi-Händern.
Genannt wird er der Norische,
schwärmt, ach, für Kapitelle ionisch, dorische.
Ein Humanist vom schütter ’n Haar bis zu der Sohle,
der unser’m Reych gedient hat nur zum Wohle.
Wer sich befasst mit Sarkophagen,
benötigt meistens einen guten Magen.
Und öffnet er dann noch die Gräber,
geht’s nur mit hart gesott’ner Leber.
Als Archäologe abgebrüht,
vertraut mit Mumien und Amphoren,
hat er im Reych sich stets bemüht,
speziell um alternde Senioren.
Die Zukunft wird jedoch prekärer,
ab heute wirkt er ja als Lehrer.
Es wäre zynisch und gelogen,
wenn man ihm gratuliert zum Ambt des Pädagogen.
Seit zwei der Buben Reime schmieden,
ist’s wohl vorbei mit künft’gem Frieden.
Den Schulrat immer wieder neckten
die beiden bösen Architekten.
Da wär‘ zunächst mit großer Klappe
der smarte zwei-neun-einser-Knappe.
Der zweite ist im höher’n Alter,
uhuversiell bekannt als Junker Walter.
Wie so oft bei Repetenten
g’hört dieser zu den renitenten.
Nehmt hin den Rat des Pianographen:
„Wie werden diese doch zu Braven?“
Es wird nicht gehen ohne Strafen,
Ihr müsst Ihnen die Schneid‘ abkafen.
Sollte dereinst im Rahmen von Examen
ein Reim recht holpern oder lahmen,
nehmt voll mit kaltem Wasser einen Zuber
und tunkt sie eine, den Egger und den Riesenhuber!